Sie sind im selben Jahr geboren, ihre Geburtsorte liegen nur 130 Kilometer von einander entfernt und trotzdem: Bach aus Eisenach und Händel aus Halle an der Saale sind sich zu Lebzeiten nie begegnet. Eine letzte Gelegenheit hätte sich 1750 ergeben können, aber als Händel – nach einer schweren Verletzung bei einem Kutschenunfall – verspätet im September in seiner Geburtsstadt eintraf, war Bach im nahegelegenen Leipzig ein paar Wochen vorher „am 28. Julius 1750, des Abends nach einem Viertel auf 9 Uhr, im sechs und sechzigsten Jahre seines Alters, auf das Verdienst seines Erlösers sanft und seelig verschieden“. Dann eben eine Begegnung 2022, musikalisch – mit zwei der großartigsten Werke der Musikgeschichte!

J. S. Bach: Magnificat in D, BWV 243
G. F. Händel: Messiah, HWV 56, 1. Teil

Sonntag, 01.05.2022, 18 Uhr, Stefaniensaal Graz

Miriam Kutrowatz & Tanja Vogrin/Sopran, Markus Forster/Altus, Gernot Heinrich/Tenor, Andreas Jankowitsch/Bass
Neue Hofkapelle Graz, chor pro musica graz
Konzertmeisterin: Lucia Froihofer
Gesamtleitung: Gerd Kenda

Vokalfest mit Großmeistern
Gerd Kenda mit heiklem Bach, elegantem Händel.

Der Grazer Chorleiter Gerd Kenda hatte es sich mit Bachs „Magnificat“ für Chor, Soli und Orchester nicht leicht gemacht. Gäbe es doch vom Thomaskantor auch Einfacheres, Fassbareres. Einmal strenger, dann wieder aufgelockerter, sind alle zwölf Sätze gespickt mit polyfonen Hürden und Koloraturen, die die Solisten fordern. Doch nach der Pause ein Durchatmen. Teil 1 von Georg Friedrich Händels „Messiah“ ließ Kenda im gut frequentierten Stefaniensaal mit ausgewogenen Tempi prächtig auflaufen, wobei er sowohl seinem passioniert und vollmundig singenden „chor pro musica“ wie auch den Vokalsolisten jede Möglichkeit bot, ihre zum Teil opernhaften Passagen voll auszuleben. Miriam Kutrowatz mit fein nuancierender Sopranstimme, Markus Forster mit weichem, anschmiegsamem Altus, Tenor Gernot Heinrich in einwandfreiem Englisch und Bass Andreas Jankowitsch mit virtuosen Melismen trugen das Ihre zum Vokalfest bei. Und ja nicht zu vergessen die von der engagierten Lucia Froihofer angeführte tadellos mittragende „Neue Hofkapelle Graz“. (Walter Neumann, kleine zeitung, 3. Mai 2022)

Weihnachtlicher Gruß
Weihnachtlicher Gruß Manchmal kommt das Christkind eben im Mai- zumin­dest bei der Neuen Hofkapelle Graz, die ihr Weih­nachtskonzert 2020 (!) nach mehrmaliger Verschiebung nun eben im Frühling absolvierte. Termin hin oder her, das Ensemble spielte mit dem Chor pro musica graz im Stefaniensaal einen mustergültigen „Messiah".

Es klingt einfach, wie es klingen soll, wenn Konzert­meisterin Lucia Froihofer und Chorleiter Gerd Kenda auf der Bühne stehen: In luf­tigem Pastellklang glänzen Bachs „Magnificat" und der erste TeH von Händels „Messiah". Leicht, flockig und meist präzise hat der Chor seine Einsätze. Über­haupt meint man im Klang­bild der Hofkapelle, in dem nichts kantig ist, eine Art ba­rocken Frühlingshauch zu hören - vor allem, wenn man das cremeweiche Strah­len von Tenor Gernot Hein­rich einrechnet, der seine Linien neben dem klaren Männer-Alt Markus Forster auch nach langen Läufen präzise landet. Ein kleines „Aber": Die Mustergültigkeit lässt wenig Raum für Exzentrik. Dem expressiven Bass Andreas Jankowitsch liegt manchmal so etwas wie Rockigkcit in der starken Stimme und der verzierungsreiche Sopran von Miriam Kutrowatz zeigt sich betont virtuos. Ergänzt durch Tanja Vogrin (zweiter Sopran bei Bach) bleibt aber das Gesamtbild blumig­weich - ein weihnachtlicher Frühlingsgruß. (Felix Jureček, Kronenzeitung, 3. Mai 2022)